German U15

20. Juni 2017
Berlin

Wissen schafft Vertrauen

Globale Ungleichheit, Migration und die Herausforderungen der Integration, das Erstarken von Nationalismen und die Krise supranationaler Strukturen, religiöser Extremismus und Terrorismus, Währungskrisen, Klimawandel und das lautstark geäußerte Misstrauen gegenüber wissenschaftlicher Erkenntnis, die Welt erscheint vielen Bürgerinnen und Bürgern so krisenhaft wie nie zuvor und stellt das Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft auf eine harte Probe. Dabei kommt diesem Vertrauen gerade im Wahljahr 2017 besondere Bedeutung zu. Vertrauen in die Zukunft entsteht, wenn den aktuell beunruhigenden Phänomenen und Entwicklungen ihre scheinbare Unausweichlichkeit genommen wird. Insbesondere die Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften leisten hierzu wesentliche Beiträge. Sie ordnen Aktuelles in größere Zusammenhänge ein und ermöglichen auf diese Weise sachliche, konstruktive und zukunftsorientierte Debatten.

Am 22. Juni 2017 erscheint das Magazin »Wissen schafft Vertrauen. 15 Miniaturen aus den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften«. Es soll zur Versachlichung politischer Diskussionen anregen. Fünfzehn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der German U15, von fünfzehn großen forschungsstarken deutschen Universitäten, melden sich darin mit schlaglichtartigen Beiträgen zu Wort und bringen auf der Grundlage ihrer Forschungen Perspektiven ein, die vermeintliche Gewissheiten in Frage stellen können.
Am 20. Juni 2017 wird dieses Magazin vorab im Rahmen einer Podiumsdiskussion vorgestellt.

Sprecher (Auszug)

Prof. Dr. Frank Fehrenbach

Prof. Dr. Frank Fehrenbach

Prof. Dr. Frank Fehrenbach

Professor für Kunstgeschichte, Kunstgeschichtliches Seminar, Universität Hamburg

Frank Fehrenbach ist einer der international herausragenden Wissenschaftler, die die Kunstgeschichte erneuert und als übergreifende Bildwissenschaft etabliert haben. Weltweite Anerkennung haben seine Arbeiten zum Werk Leonardo da Vincis gefunden, wobei er kunstgeschichtliche Aspekte in neue interdisziplinäre Zusammenhänge stellte, etwa zur Mathematik, Optik, Physik, Geowissenschaften oder Psychologie. Fehrenbach überschreitet damit die Grenzen seiner Disziplin und setzt neue methodische Maßstäbe einer Kunstgeschichte als innovativer Geisteswissenschaft. In Hamburg soll Fehrenbach im Zentrum einer Neuausrichtung des traditionsreichen Kunstwissenschaftlichen Seminars stehen und eine fächerübergreifende „Forschungsstelle Naturbilder“ aufbauen und leiten, die international eine kunsthistorische Vorreiterrolle übernehmen soll.

Studium der Kunstgeschichte, der Mittelalterlichen und Neueren Geschichte und der Philosophie in Tübingen und Basel. 1992–1995 Fellow am Kulturwissenschaftliches Institut in Essen. 1995 Promotion an der Universität Tübingen. 2003 Habilitation an der Universität Basel. 2003–2005 Forschungsstipendiat der Fritz Thyssen-Stiftung. 2005–2013 Senior Professor an der Harvard University. 2010–2011 Fellow am Wissenschaftskolleg, Berlin. Preise und Auszeichnungen: Hans Janssen-Preis für Europäische Kunstgeschichte der Akademie der Wissenschaften, Göttingen (1996); Preis der Aby Warburg-Stiftung, Hamburg (2004); Humboldt-Professur der Alexander von Humboldt-Stiftung (2013). Aktuell Leitung der Forschungsstelle „Naturbilder/Images of Nature“ am Kunstgeschichtlichen Seminar der Universität Hamburg.

Foto: Espen Eichhöfer/Ostkreuz

Prof. Dr. Beatrice Gruendler

Prof. Dr. Beatrice Gründler

Prof. Dr. Beatrice Gründler

Professorin für Arabistik, Seminar für Semitistik und Arabistik, Freie Universität Berlin

Beatrice Gründler, Leibniz-Preisträgerin 2017, studierte arabische Sprache und Literatur, Semitistik und Altorientalistik in Tübingen, Straßburg und an der Al-Azhar-Universität, Kairo. Ihren Master und ihren Ph.D. schloss sie mit Auszeichnung im Fach Near Eastern Languages and Civilizations an der Harvard University ab. Seit 2014 ist sie Professorin für Arabistik (Sprache und Literatur) an der Freien Universität Berlin. Zuvor war sie von 2002 bis 2014 Professor of Arabic an der Yale University. 2010 bis 2011 folgte ein Fellowship am Wissenschaftskolleg zu Berlin. In diesem Jahr schloss sie ihr Buchprojekt „The Islamic Age of Communication“ ab. 2008 und 2006 war Frau Gründler Visiting Scholar an der Harvard University. In den Jahren 2002 bis 2007 war sie wiederholt Fellow am Whitney Humanities Center der Yale University. Schon 1996 bis 2002 hatte sie an der Yale University eine Assistant Professoren-Stelle of Arabic Literature inne. 1995–1996 war sie Visiting Assistant Professor of Arabic Language and Literature in Dartmouth. Ihre Forschung umfasst die arabische Paläografie, die klassische arabische Literatur in ihrem sozialen Umfeld, die Anwendung von Literaturtheorie auf die klassische arabische Literatur, die arabische Buchkultur des 9. Jahrhunderts betrachtet aus mediengeschichtlicher Perspektive und die Rolle der arabischen Literatur als Bindeglied zwischen Asien und Europa. Derzeit arbeitet Gründler an der Schnittstelle zwischen der arabischen und anderen vormodernen Literaturen mit der Konzeption einer kritischen Ausgabe des klassisch arabischen Fürstenspiegels in Fabelform, Kalīla wa-Dimna. Die besondere Editionsproblematik des divergierenden und in weltweit circa 40 Sprachen übersetzten (aber heute praktisch vergessenen) Klassikers besprach sie in einem Kapitel des Bands „Énoncés sapientiels et littérature exemplaire: une intertextualité complexe“ (Hgg. M. Bornes Varol und M. Ortola, Nancy 2013).

Foto: Espen Eichhöfer/Ostkreuz

Prof. Dr. Ulrich Herbert

Prof. Dr. Ulrich Herbert

Prof. Dr. Ulrich Herbert

Professor für Neuere und Neueste Geschichte, Historisches Seminar, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Ulrich Herbert, Leibniz-Preisträger 1999, studierte Geschichte, Volkskunde und Germanistik an der Universität Freiburg. Er zählt zu den profiliertesten Kennern der deutschen Zeitgeschichte. 1985 wurde er mit einer Arbeit über „Fremdarbeiter“ im „Dritten Reich“ promoviert. Dieses Buch wurde zur Grundlage der öffentlichen Diskussion über die Geschichte der Zwangsarbeiter in der NS-Zeit und deren ausgebliebene Entschädigung. 1987 bis 1988 ging er als Research Fellow an die Universität Tel Aviv. Seine Habilitationsschrift 1992 behandelte die Biographie des Nationalsozialisten Werner Best. Es gilt heute als Standardwerk. Von 1992 bis 1995 war er Direktor der Forschungsstelle für die Geschichte des Nationalsozialismus in Hamburg. Danach wechselte er auf den Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Freiburg. Herbert hat zahlreiche Publikationen vorgelegt, vor allem zur Geschichte des Nationalsozialismus, der Migrationsgeschichte im 20. Jahrhundert und der Geschichte der Bundesrepublik. 2003 erschien der Band Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland (in einer ersten Fassung bereits 1986), in dem die Entwicklung von der Heranziehung der Saisonarbeiter in den Jahren um 1900 über die Zwangsarbeiter der NS-Zeit, die „Gastarbeiter“ der 1960er Jahre und die Asylbewerber der 1980er und 1990er Jahre nachverfolgt wird. Auch dieses Buch gilt heute als Standardwerk. Von 2000 bis 2008 leitete Herbert zusammen mit Rüdiger vom Bruch eine Forschergruppe, die im Auftrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft deren Geschichte von 1920 bis 1970 untersucht. Seit 2005 gibt er zusammen mit Horst Möller, Susanne Heim und anderen die Edition „Verfolgung und Ermordung der Juden in Europa“ heraus, die in 16 Bänden einen umfassenden Überblick über die Quellen und Dokumente des Holocaust bieten soll. Von 2001 bis 2007 war Herbert Mitglied des Wissenschaftsrats und leitete dort von 2005 bis 2007 die Arbeitsgruppe „Geisteswissenschaften“, deren „Empfehlungen zur Entwicklung und Förderung der Geisteswissenschaften in Deutschland“ die Diskussion über die Lage dieser Fächergruppe nachhaltig bestimmt hat. 2014 wurde ihm der Bayerische Buchpreis in der Kategorie „Sachbuch“ für sein Buch „Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert“ zugesprochen.

Foto: Sebastian Berger

Prof. Dr. Jürgen Mlynek

Prof. Dr. Jürgen Mlynek

Prof. Dr. Jürgen Mlynek

Professor für Experimentalphysik, Institut für Physik, Humboldt-Universität zu Berlin

Jürgen Mlynek studierte Physik an der Technischen Universität Hannover und an der École Polytechnique in Paris. An der Universität Hannover wurde er 1979 zum Dr. rer. nat. promoviert und habilitierte dort 1984. Von 1976 bis 1981 war er wissenschaftlicher Assistent am Institut für Angewandte Physik der Universität Hannover. Nach einem Aufenthalt am IBM Forschungslabor (1982) in den USA wechselte Professor Mlynek 1986 als Assistenz-Professor zur Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH). 1990 ging er als C4-Professor für Experimentalphysik an die Universität nach Konstanz, wo er in experimenteller Quantenoptik, Atomphysik und Oberflächenphysik forschte. Von 1996 bis 2001 war er Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, von 2000 bis 2005 Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit 2005 ist Jürgen Mlynek Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft; seine zweite Amtszeit endet 2015. Mlynek wurde mit zahlreichen wissenschaftlichen Preisen ausgezeichnet.

Prof. Dr. Oliver Primavesi

Prof. Dr. Oliver Primavesi

Prof. Dr. Oliver Primavesi

Professor für Griechische Philologie, Lehrstuhl für Griechische Philologie, Ludwig-Maximilians-Universität München

Oliver Primavesi, Liebniz-Preisträger 2007, ist ein ungewöhnlich breit arbeitender Gräzist, der sein Fach erfolgreich mit der antiken Philosophie ins Gespräch bringt. Oliver Primavesi studierte zunächst erfolgreich Musik, wechselte dann aber zur Klassischen Philologie. Nach dem Studium in Heidelberg und Oxford wurde er 1994 in Frankfurt promoviert und habilitierte sich dort 1997. Nach einer kurzen Zeitspanne als Hochschuldozent an der Universität Frankfurt wurde er 2000 an die Ludwig-Maximilians-Universität München berufen. Hier ist er zurzeit Professor für Griechische Philologie. Er hat wichtige Interpretationen der Werke Homers vorgelegt und anhand von Aristoteles-Zitaten im Werk anderer Autoren die Rekonstruktion der verschollenen aristotelischen Schrift über die Pythagoreer vorbereitet. Gemeinsam mit Alain Martin gab er das Straßburger Empedokles-Papyrus heraus: eine Edition, die erstmals den Text eines vorplatonischen Philosophen in Originalfragmenten greifbar macht und den Philosophen entgegen der Schulbuchweisheiten nicht als Vertreter einer breit gefächerten Emanzipationsbewegung weg vom religiösen Mythos hin zum philosophischen Logos greifbar macht, sondern zeigt, wie stark Kosmologie und Naturwissenschaft, Religion und Naturphilosophie, Mythos und Logos bei Empedokles ineinandergreifen. Primavesi wurde mit dem Prix Reinach der Association pour l’Encouragement des Études Greques sowie mit dem Prix Joseph Gantrelle der Académie Royale de Belgique ausgezeichnet. 2011 wurde er mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Foto: Basti Arlt

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Tiergartenstraße 35
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